#2 Autoritäre Tendenzen und Demokratie unter Druck – im Gespräch mit Brigitte Bargetz und Ernst Langthaler
Shownotes
In der zweiten Folge von „Wissensdurst“ spricht JKU Rektor Stefan Koch mit den beiden Expert*innen der Johannes Kepler Universität Linz Brigitte Bargetz, Leiterin der Abteilung für Gesellschaftstheorie und Sozialanalysen, und Ernst Langthaler, Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte.
Gesprächsthemen sind autoritäre Tendenzen und die Frage, warum demokratische Gesellschaften zunehmend unter Druck geraten. Die Expert*innen beleuchten aktuelle Entwicklungen aus soziologischer und historischer Perspektive und diskutieren, welche Rolle wirtschaftliche und gesellschaftliche Unsicherheiten bei der Entstehung autoritärer Tendenzen spielen. Dabei sprechen sie über historische Parallelen und Unterschiede, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Veränderungen sowie den Einfluss von Social Media auf politische Mobilisierung und Meinungsbildung. Abschließend gehen sie der Frage nach, wie Demokratie gestärkt werden kann und welche Rolle Universitäten, Wissenschaft und Bildung dabei spielen.
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00:00:08: Willkommen zur zweiten Folge von Wissens Durst, der JQ-Bodcast zu aktuellen Themen.
00:00:13: Ich bin Stefan Koch, Rektor der Johannes Keplansität Linz und in diesem neuen Podcast sprechen mit Menschen unterschiedliche Disziplin über Fragen die unsere Gesellschaft bewegen.
00:00:22: In der heutigen Folge wollen wir über autoritäre Tendenzen sprechen Medial oft diskutiert auch international Stichwort Russland, Stichwurth Türkei, Ungarn vielleicht bis zur letzten Wahl.
00:00:33: Und dabei wollen wir einen Blick auf die Geschichte werfen aber beleuchten auch gegenwärtige Dynamiken.
00:00:38: Warum sehnen sich Menschen nach Führungsfiguren?
00:00:41: Es gibt ja auch immer wieder Umfragen, wie sehr Menschen einen eher autoritären Führer oder eine Führerin wünschen.
00:00:49: und wo erkennen wir der Parallelen zwischen der Vergangenheit und heute?
00:00:53: Darüber kann ich heute mit zwei ausgewiesenen Expertinnen und Experten sprechen unserer Soziologin Prof.
00:00:59: Brigitte Bargett und unserem Historiker Professor Ernst Langthaler.
00:01:03: Ich darf Sie vielleicht beide ersuchen, sich kurz vorzustellen Vielleicht zuerst Sie, Frau Prof.
00:01:08: Bargels bitte?
00:01:09: Ja vielen Dank!
00:01:10: Ich freue mich sehr heute bei diesem Gespräch dabei sein zu können.
00:01:13: wie schon gesagt ich bin Brigitte Bargeltz Professorin und Abteilungsleiterin der Abteilung für Gesellschaftstheorie und Sozialanalyse seit Jahrzehntausendfünfundzwanzig an der JKU.
00:01:25: gleichzeitig bin ich noch als FFF-Projektleiterinnen zu einem Projekt zur Food Charity in Österreich an der Wirtschaftsunivine tätig.
00:01:34: Ich bin Gesellschaftstheoretikerin und beschäftige mich in meinen aktuellen Forschungen, insbesondere mit Tendenzen der Autoritarisierung oder der Faschisierung.
00:01:43: Wobei da genau Geschlecht- und Emotionen eine große Rolle spielen.
00:01:48: Ich beschäftige ich mich mit Tendezen der Remaskulinisierung, geltgenwärtigen Tendenz der Remaskaulinisierung und Veränderung und Transformation von Wohlfahrtsstaatlichkeit – insbesondere aus der Perspektive der freiwilligen Arbeit!
00:02:00: Ja, mein Name ist Ernst Langthaler.
00:02:02: Ich bin seit ungefähr zehn Jahren hier in der JKU Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und beschäftige mich mit meiner Forschung im Bereich der Wirtschaftsozial- und Umweltgeschichte hauptsächlich mit den Themen agrarende Ernährungsgeschichte, regionalen und globalen Geschichten und neuerdings auch mit der Geschichte des Anthropoziens.
00:02:22: Und in der Lehre ist es mir ein besonderes Anliegen im Rahmen des Lehramtsgeschichts und politische Bildung zur Stärkung demokratischen Bewusstseins beizutragen.
00:02:30: und damit sind wir ja mitten in unserem heutigen Thema.
00:02:33: Vielen herzlichen Dank, nochmal beiden herzlich willkommen und vielen dank für Ihre Zeit!
00:02:36: Ich würde vielleicht los starten mit einer sehr allgemeinen Frage und dann Sie beide gerichtet aus Ihrer Sicht befinden wir uns aktuell in der neuen Welle des Autoritarismus.
00:02:47: Und vielleicht anschließend, wie kann man eigentlich Autoritarismus messen?
00:02:52: Oder gibt es hier Möglichkeiten zu sagen eine bestimmte Situation?
00:02:56: ein Land ist autoritärer als ein anderes.
00:02:59: Ja wenn man so eine Frage als Wissenschaftler gestellt bekommt sucht man zunächst einmal nach belastbaren Informationen.
00:03:08: Eine Möglichkeit ist in den Demokratieindex reinzuschauen der britischen Zeitschrift Economist.
00:03:15: Die machen das seit dem Jahr und versuchen alle Länder dieser Welt zu kategorisieren.
00:03:21: In einem Spektrum zwischen Vollstände, Demokratie und autoritären Regime.
00:03:28: Und wenn man sich diese Zahlen anschaut in den letzten zwanzig Jahren Dann sieht man, dass es tatsächlich eine gewisse Tendenz in Richtung Autoritarismus gibt.
00:03:37: Also zum Beispiel der Anteil der vollständigen Demokratien an allen Ländern sinkt in diesem Zeitraum von siebzehn auf vierzehn Prozent.
00:03:45: Ungekehrt steigt der Anteil der autoritären Regime von dreiunddreißiger fünfunddresig Prozent.
00:03:51: Das ist jetzt kein Erdrutsch, aber das ist eine Tendenzer die in die Richtung Autoritarismus geht.
00:04:00: Wir sollten aber auch nicht übersehen, dass es in den sogenannten vollständigen Demokratien – und da gehört zum Beispiel Österreich dazu – auch autoritäre Tendenzen gibt.
00:04:08: Da gibt's eine aktuelle Umfrage des Linzermarkt-Instituts die Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde.
00:04:15: Da sagen zum Beispiel elf Prozent der Befragten, sie können sich unter bestimmten Umständen vorstellen, dass eine Diktatur die bessere Staatsform ist.
00:04:23: Sechzehn Prozent sagen ein Führer mit einer starken Hand wäre durchaus vorstellbar Befürworten eine starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert.
00:04:36: Also das sind zwar Minderheiten so zwischen zehn und dreißig Prozent, der war doch eine mehr oder weniger starke Tendenz in Richtung autoritäre Einstellungen erkennen lassen.
00:04:48: In diesem Zusammenhang ist oft von der Krise der Demokratie die Rede.
00:04:52: Ich bin da etwas gespalten, hinsichtlich dieses Begriffes.
00:04:57: Einerseits gibt es ganz klar autoritäre Tendenzen oder sprich dafür seinen Begriff zu verwenden aber andererseits entwickelt so eine Rede auch in einer gewissen Eigendynamik.
00:05:06: Wenn man ständig von der Krise der Demokratie redet dann entsteht da so eine gewisse Zwangsläufigkeit dass das eigentlich eh schon ein überholtes Modell ist, dass wir uns quasi auf einer abschüssigen Bahn bewegen wie das in der Zwischenkriegszeit zwischen den zwei Weltkriegen war in den zwanziger dreißig Jahren und ganz klar in Richtung Diktatur geht.
00:05:25: und davon würde ich warnen.
00:05:27: Ich würde nicht von einer Krise der Demokratie reden, aber vielleicht könnte man sagen es ist ein Stresstest, den die Liberale Demokratie heutzutage ausgesetzt hat.
00:05:36: Ja, das ist schon ganz viel erwähnt auch sehr viele Fakten gebracht.
00:05:40: Ich würde ja auch so sagen gegenwärtig dass wir uns stärker in der Phase der Autoritarisierung bewegen und nicht so sehr in Zeiten des Autoritalismus leben.
00:05:48: aber auch Fastisierung würde ich sozusagen eine ganz zentrale Komponente gegenwärts Und ich beziehe mich in meiner Forschung und vor allem auf mitteleuropäische bzw.
00:05:58: Länder des globalen Nordens, und würde hier sagen dass sowas wie autoritärer Populismus, dessen Begriff der auf die Seventiger Jahre zurückgeht durchaus etwas ist was auch gegenwärtig beobachtet werden kann.
00:06:11: Also autoritäre Populismus ist ein Begriff von Stuart Hall eingeführt wurde um sich mit den Veränderungen unter Setscher in den neunzehnten Siebzigerjahren zu beschäftigen und eben, um die Frage zu stellen wieso oder wie diese autoritären Veränderung von oben aus politischer Perspektive eigentlich auch angenommen werden konnten.
00:06:30: Also das betrifft auch so ein bisschen die Frage warum ist es überhaupt so attraktiv von Autoritarisierung zu sprechen?
00:06:36: Oder eine autoritari-sierte Gesellschaft auch zu wollen?
00:06:40: Und da ist eben herausgekommen bzw.
00:06:43: festgestellt worden, dass es ganz klar auch darum geht nicht das sich Menschen verführen lassen, dass sie sich von irgendwelchen Führungsfiguren verführen lasst und dass sie nicht genügend Einsichten haben sondern dass es eben darum geht autoritäre Veränderungen, Veränderung von Rechtsstaatlichkeit, Verenderungen in der Sozialpolitik so zu machen, dass sie auch unten quasi in der Bevölkerung ankommen.
00:07:06: Dass Sie sozusagen an Ihren eigenen Interessen ansetzen und ich denke was mit diesem Begriff des autoritären Populismus damals schon deutlich gemacht wurde, ist eigentlich auch eine Folie mit der wir gegenwärtige Veränderungen in unterschiedlichen aktuellen Demokratien begreifen können.
00:07:22: Ich denke es ist unwidersprochen dass es ganz radikale Veränderung im Bezug auf Demokratie unter Trump II gibt noch viel mehr wie unter Trump I. da geht's tatsächlich auch um die Veränderungs- von Rechtsstaatlichkeit, da gehts um den Zugriff auf zivilgesellschaftliche Organisation und die Frage der freien Medien.
00:07:41: Aber ich denke darüber hinaus sehen wir quasi auch in unterschiedlichen Demokratien, dass es zu Veränderungen kommt.
00:07:48: Dass es zu Verschärfungen auf der einen Seite staatlicherseits kommt und auf der anderen Seite eben auch das Zuspruch in der Bevölkerung beiden Menschen mit hervorgebracht wird.
00:07:59: Und insofern würde ich sagen gibt's durchaus viele Tendenzen in unterschiedlichem Ländern die als Autoritarisierung ausgewiesen werden können aber auch müssen.
00:08:08: Kollege Langthaler, vielleicht darf ich gleich anschließen.
00:08:10: Das ist jetzt ein bisschen schon mitgeklungen aus Ihrer Sicht wie hängt historisch die Festigung oder auch die Gefährdung Krisedemokratie haben Sie gesagt?
00:08:19: Ist es vielleicht nicht das korrekte Wörding mit der Wirtschaftsentwicklung zusammen?
00:08:23: Vielleicht dort eine Gesellschaftsentwicklung?
00:08:25: Ja, das ist bei dir ja schon angeklungen dass autoritäre Populismus etwas mit Politik und Wirtschaft zu tun hat.
00:08:33: Historisch gesehen könnte man sagen, dass Demokratie und Kapitalismus eigentlich sehr eng zusammenhängen.
00:08:39: Also dieser Übergang von einem agrarischen Feudalismus zu einem industriellen Kapitalismus der so zwischen nach siebzehnfünfzig und achtzehnquanzig stattfindet hat ja zwei neue dominierende Gesellschaftsklassen hervorgebracht – das Bürgertum und die Arbeiterschaft.
00:08:57: Und die fordern jetzt gegenüber den privilegierten Ständen, Adel und Kirche politische Mitsprache ein.
00:09:04: Das sind dann die Revolutionen, die wir schon von subzeneinundachtzig an in Frankreich, dann im Wettererfolge in verschiedenen Teilen Europas beobachten können – und im Zuge dieser Revolutionären Bewegung erringt zunächst das Bürgertum und dann auch die arbeiterschaftpolitische Mitsprache, also Grund- und Freiheitsrechte, die ihnen die Teilnahme an der Politik ermöglichen.
00:09:27: Das ist das was sich im neunzehnten Jahrhundert eigentlich abspielt.
00:09:32: Und in weiterer Folge – im zwanzigsten Jahrhundert glaube ich muss man drei Faktoren in ihrer Wechselwirkung betrachten.
00:09:41: Das ist die Wirtschaft, das ist die Zivilgesellschaft und die Politik.
00:09:45: Also ich sehe das eher als ein sehr strukturelles Bündel von Faktoren wenn wir über die angebliche Krise der Demokratie reden.
00:09:53: Beginnen wir vielleicht mit der Wirtschaft – das herrschende Wirtschaftssystem der Kapitalismus ist ein grundsätzlich krisenanfälliges Wirtschaftsystem.
00:10:02: Er gliedert sich in Aufschwünge und in Krisen.
00:10:05: während der Aufschwinge wird der zu verteilende Kuchen größer und die Stücke, wenn die gerecht verteilt werden dann wird vielen Gruppen der Gesellschaft ein sozialer Aufstieg ermöglicht.
00:10:17: Dadurch steigt auch das System Vertrauen.
00:10:20: Hingegen in einer Krise wird der Kuchen nicht größer erschont vielleicht sogar Die Stücke werden auch ungleicher verteilt Und damit ist das Aufstiegsversprechen, dass mit der Wirtschaftsentwicklung verbunden ist nicht mehr einlösbar.
00:10:38: Das ist zum Beispiel die Situation, die wir dann in der sogenannten großen Rezession seit dem Jahr zwei Tausend Acht sehen also immer mehr Teile der Gesellschaft das Gefühl haben irgendwie geht es nicht mehr weiter.
00:10:52: Wir kommen nicht mehr weit darauf.
00:10:54: Wir stagnieren oder wir haben sogar Angst irgendwie abzusteigen.
00:10:57: Das ist zunächst noch keine demokratische Krise.
00:11:02: Es muss ein zweites Element dazu kommen und das sind jetzt die zivilgesellschaftliche Bewegungen,
00:11:07: d.h.,
00:11:07: diese diffuse Missstimmung in so einer krisenhaften Karriode sozial mobilisiert werden durch politische Bewegungen, die sozusagen aus diesen diffusen Ängsten ein klar konteriertes Feindbild schaffen und damit auch sozusagen einen Retter der das angebliche Volk gegen eine angeblich korrupte Elite dann sozusagen rettet.
00:11:32: Und diese Bewegungen können wir im ganzen zwanzigsten Jahrhundert beobachten.
00:11:42: Die gibt es von links Also sozusagen gegen Bewegungen von links, das ist das was Marx prognostiziert hat.
00:11:48: Die politarische Revolution, die wir zum Beispiel im Jahr seventeen in Russland sehen.
00:11:53: Das ist aber jetzt wenn man aufs zwanzigste Jahrhundert zurückblicken, eher die Ausnahme gewesen.
00:11:58: Es gibt eigentlich hauptsächlich Gegenbewegungen von rechts.
00:12:02: Etwas auf das Kaupolani hingewiesen hat, Zeitgenosse und österreichisch-ungerischer Herkunft der eben auch argumentiert Gegenbewegungen zum Kapitalismus basieren nicht nur von links, sondern auch von rechts.
00:12:16: Und das sind dann die faschistischen Revolutionen, die wir beginnend Italien-Ninzehnzweierundzwanzig bis Deutschland-Nanzehndreißig, Österreich-Naanzehnträßig, Vierunddressig beobachten können.
00:12:30: und ein dritter Faktor ist da noch wichtig dass ich dann gleich am Beispiel Deutschland erläutern möchte, nämlich wie reagiert die herrschende Politik das etablierte Politiksystem?
00:12:42: Da gibt es auch ein breites Spektrum von Reaktionsweisen auf antidemokratische Bewegungen.
00:12:48: Am einen Ende des Poles sozusagen das Verbot autoritärer Bewegungen.
00:12:53: Das ist etwas, was wir in Österreich haben seit der Nachkriegszeit mit dem Verbotsgesetz.
00:12:59: die NSDAP und ihre Gliederungen sind aus guten Gründen in Österreich verboten und jegliche politische Bewegung, die da anknüpft läuft Gefahr eben... entsprechend dann verboten zu werden.
00:13:10: Die nächste Stufe wäre die Abgrenzung, das ist das was wir in Deutschland sehen mit der sogenannten Brandmorgigen über der AfD.
00:13:16: Dass man sozusagen antidemokratische Bewegungen ausschließt aus der politischen Kooperation.
00:13:24: Eine nächste Stupe wäre dann die Anpassung Das ist etwas was man ganz Europa sieht dass Parteien der politischen Mitte Inhalte rechtspopulistischer Bewegungen übernehmen zum Beispiel eine restriktive Migrationspolitik, wenn man das z.B.
00:13:39: in denen wach sieht von seitens des Sozialdemokraten Und die andere Seite des Poles ist dann die Einbindung, die Kooperation mit rechtspopulistischen bis rechtsextremen Parteien.
00:13:50: Ja das können wir in Österreich beobachten.
00:13:51: Die FPÖ ist eine anerkannte Koalitionspartei seit dem Jahr zweitausend mit der ÖVP und ist so gesehen ein Teil des politischen Establishments obwohl immer wieder augmentiert wird dass in dieser Partei starke Demokratie-skeptische bis feindliche Tendenzen auch zu erkennen sind.
00:14:14: Also ich glaube, dieses Bündel an Faktoren Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik sollte man im Auge behalten wenn wir über die sogenannte Krise der Demokratie reden.
00:14:26: Das Beispiel ist eben dass die NSDAP, die in den Neunzehnten und Dresden machten im Deutschen Reich bekommen hat, allein aufgrund der Weltwirtschaftskrise und auch auf Grund der Tatsache dass es eine Massenbewegung war.
00:14:42: nicht an die Macht gekommen wäre.
00:14:43: Es brauchte dann schon auch die etablierte Politik, also konservative Eliten, die Hitler dann das Amt des Reichskanzlers übertragen haben und erst dadurch sind die Nazis an die Schalthebel der Macht gelangt und konnten dann binnen weniger Monate diese Weimarer Republik in eine Diktatur umwandeln.
00:15:02: Also da sieht man dass auch die Etablierte Politik wie sich die zu antidemokratischen Bewegungen verhält er ganz entscheidende Rolle spielen kann.
00:15:11: Woran ich wahrscheinlich anknüpfen möchte, auch bei dem was du gesagt hast und wie du das jetzt ausgeführt hast.
00:15:17: Diese unterschiedlichen Perspektiven beziehungsweise die... zivilgesellschaftliche Organisationen nochmals mit einzubeziehen und auch diese Frage, wie quasi sich unterschiedliche politische Bewegungen, autoritäre Bewegung als Retterfiguren darstellen.
00:15:32: Also ich denke was ich an der Stelle nochmal betonen würde ist dass es da tatsächlich durchaus parallel zur Gegenwart gibt.
00:15:40: also wenn wir uns beispielsweise ansehen wer dafür verantwortlich gemacht wird in der Gegenwart das is eine Krise der Demokratie oder nicht vielleicht können wir darüber auch nochmals diskutieren.
00:15:52: Ich würde sie immer auch als eine Souveränitätskrise bezeichnen, als eine Krise in der quasi auch unterschiedliche Staaten an Souveranität verlieren aber auch die... Subjekte selbst, die Bevölkerung selbst den Eindruck hat, Souveränität zu verlieren und dass deswegen auch so ein bestimmtes diffuses Gefühl der Unsicherheit, der Verunsicherung entsteht in die dann bestimmte Rechte vor allem rechte Bewegungen sehr gut intervenieren können.
00:16:19: Und was hier sozusagen nochmals deutlich ist das wir eben sehen da es eine Anti-Gender Mobilisierung gibt, dass es eine anti-Semitische Mobilisierung gab, die es gegenwärtig auch gibt.
00:16:29: Klarerweise haben sich auch die Mobilisierungen die Gegenbewege nochmals verändert, Antitransantikvir.
00:16:35: Antimigrationsbewegungen gab es damals auch schon.
00:16:39: aber was hier deutlich gemacht werden kann ist ob sich jetzt etwas wiederholt oder auch nicht.
00:16:45: das würde ich so auf alle Fälle nicht sagen.
00:16:46: die Verhältnisse wiederholen sich nie.
00:16:49: Kramsche hat auch daran hingewiesen, dass es gar nicht möglich ist das sich die Verhältnisse wiederholen.
00:16:54: Aber dass sich ähnliche Muster in der Gegenwart nochmals zeigen lassen, wer quasi für Versicherungs-Tendenzen, wer für Gefühle der Ohnmacht Inbezug auf die Veränderung von Demokratie verantwortlich gemacht wird – das sind ganz bestimmte Personengruppen, die sich heute sozusagen auch wieder wie schon in früheren Zeiten wenn auch verändert zeigen.
00:17:17: und ich glaube darüber gibt's auf alle Fälle, viele ähnliche Tendenzen in der Gegenwart.
00:17:22: Und ich denke was wäre wenn wir auf die siebziger Jahre blicken auch ganz wichtig ist zu berücksichtigen ist gerade wenn wir so aus einer Geschlechterperspektive auf gesellschaften Blicken da hat sich ja auch das täglich etwas verändert.
00:17:34: also es ist so dass geschlechterordnungen aufgebrochen wurden.
00:17:38: die frage von Abtreibungsregelungen dienen siebzeiger jahren in vielen europäischen ländern nicht zuletzt auch in österreich eine rolle gespielt haben.
00:17:47: da hat sich was bewegt.
00:17:49: Da gibt es gegenwärtig auch wieder Tendenzen, dass sich etwas in eine andere Richtung bewegen wird.
00:17:53: aber klarerweise haben sich Geschlechterordnungen verändert Es gab Erfolge, es gab feministische Quiere, Trans-Erfolge und ich denke das genau diese Veränderungen mitunter auch dazu geführt haben, dass es zu einer Allgemeinen oder für viele zu einer Versicherung kommt also das was selbstverständlich war quasi Geschlechterordnungen, die so ein Fixpunkt auch im Alltag sind.
00:18:16: Die haben sich verändert und darüber lassen sich dann auch nochmals bestimmte Politiken ganz gut anschließen.
00:18:24: Also deswegen sind ja gerade auch Stereotypepolitikchen oder bestimmte Feinschämter, die sich auf Antigender, Antiquir, Antitrans usw.
00:18:35: beziehen umso erfolgreicher weil eben Verunsicherungssituationen entstanden
00:18:39: sind.".
00:18:40: und vielleicht noch ein zweiter Aspekt im Witzzug auf Geschlechterordnungen.
00:18:45: Es ist ja nicht nur so, dass sich die Geschlechterordnungen verändert haben.
00:18:48: Sondern das auch darauf hingewerden muss, dass bestimmte gesellschaftliche Geschlechtermodelle sich verändert haben – Stichwort einer näherer Modell.
00:18:57: Das ist ein Modell, das es so nicht mehr gibt.
00:18:59: D.h.,
00:19:00: da gab's symbolische Verunsicherungen aber ganz konkrete materielle Verunsicherungen auch.
00:19:05: Also, dass es eben nicht mehr ausreicht, egal wie jetzt dazu gestanden wird überhaupt nur eine näherere Infamilienkonstruktion zu haben als ich denke Es gibt bestimmte Veränderungen auch seit den Neunzehnten, die ganz explizit dazu beigetragen haben.
00:19:21: Versunsicherungen zu verstärken, Versunsicherung zu generieren, die dann wiederum politisch genutzt werden können um diese Versunsichrung mit ganz Bestimmten.
00:19:32: Bewegung in Verbindung zu bringen und gleichzeitig auch so ein Versprechen generieren können.
00:19:37: Wir können jetzt die Antwort geben, wir können sozusagen durch starke Führungsfiguren, durch eine starke Männlichkeit genau diesen Verunsicherungen etwas entgegenhalten.
00:19:49: Ja, sind das Lernen aus der Geschichte angesprochen?
00:19:51: Das ist so eine gängige Vorstellung.
00:19:54: wenn die Menschen nur aus der Geschichte lernen würden dann wäre die Welt eine bessere.
00:19:58: In der Praxis funktioniert es halt nicht so, wobei tatsächlich ist es so.
00:20:02: Dass Menschen insofern aus der Geschichte lernen als sie vergangenen Erfahrungen einen Sinn zuschreiben im Hinblick auch auf zukünftige Erwartungen.
00:20:10: Also wir haben uns anschauen die Situation in Österreich.
00:20:14: Da gab es einen parteienübergreifenden Konsens, dass man jetzt sozusagen nicht mehr gegeneinander arbeitet wie das im Bürgerkrieg der nineteen dreißiger Jahre war und dass man auch nicht mehr in einer Diktatur leben will wie das in der NS-Zeit war sondern dass es eine Kooperation gibt in einem demokratischen Rahmen.
00:20:33: Das war der viel zitierte Geist der Lagerstraße ja die ehemals verfeindeten Lager wieder zusammengeführt hat.
00:20:40: also das war ein Konsens der völlig außer Frage gestanden ist.
00:20:45: Man sieht allerdings, dass solche Sinnzuschreibungen, so Geschichtsbewusstsein oder Geschichtskultur nie fixiert ist und dann ständig neu ausgehandelt wird.
00:20:55: Und vor allem in der Generation ein Folge ändert sich das.
00:20:58: Also Entscheidungsträger und Trägerinnen in der österreichischen Politik- und Wirtschaft am binzehnachziger Jahre die waren nicht mehr beseelt vom Geist der Lagerstraße.
00:21:10: sozusagen leeren aus der Geschichte ändern sich auch und dazu kommt dann noch, dass gerade im Kontext der autoritären Tendenzen ja eigentlich ein Wandel stattfindet oder einen Wechsel von der Vernunftebene auf die Gefühlebene.
00:21:25: Es geht ja nicht um vernünftige Argumente sondern es geht um Gefühlen, starke Gefühler wie Hass zum Beispiel, die hier regieren und insofern ist da das Lernen aus der Geschichte ohne ihn ausgeschaltet.
00:21:38: Es wird ja auch das Thema Konsens oder Kompromiss immer wieder sehr stark dann diskutiert und welche Zuschreibungen dieser Begriff erfährt.
00:21:46: Aber ich möchte vielleicht Frau Kollegin Bagetz noch einmal auf Sie zurückkommen, Sie haben das Thema Frauen schon mal angeschnitten und mich würde interessieren Ihre Erklärung dazu dass als Joe Biden zwanzig-zwanzig gewählt wurde hat er gegenüber Donald Trump einen Vorsprung bei den weiblichen Wählerinnen von vierundzwanziger Prozent.
00:22:04: vier Jahre danach Mit einer weiblichen Kandidatin, Camilla Harris war der Vorsprung dieser demokratischen Kandidatin Nummer dreizehn Prozent.
00:22:12: Gibt es da soziale Mechanismen, die erklären warum Frauen auch ein Wahlverhalten zeigen oder Bewegungen anschließen?
00:22:19: Die zumindest in Teilen jetzt doch nicht sehr feministisch wirken.
00:22:25: Ich glaube das ist eine ganz große Frage eigentlich und auch eine schwierige Frage.
00:22:29: Und ich glaube den ersten Punkt, den ich in dem Zusammenhang gerne aufbringen würde dass eigentlich auch die Unterschiede zwischen den Frauen berücksichtigt werden müssen.
00:22:37: Aber was irgendwie deutlich ist, ist das zwar sehr viele weiße Frauen tatsächlich auch Trump gewählt haben, dass allerdings sehr viele schwarze Frauen in Latinas – einerneinzig Prozent der Schwarzen Frauen haben Harris gewählt und über sechzig Prozent des Latinas haben Harris.
00:22:54: also hier gibt es sozusagen einen großen Unterschied innerhalb der Gruppe der Frauen.
00:23:00: Ich glaube, das ist ein Punkt, der ganz wichtig ist zu berücksichtigen.
00:23:03: in vielen Forschungen wird auch immer wieder darauf hingewiesen dass es gar nicht so sehr ein Gender-Gap sozusagen gibt sondern einen rasifizierten Gap, der darüber erklärt wird dass gerade weiße Frauen ein großes Interesse daran haben, ihre sozialen Positionen beizubehalten.
00:23:19: Dass sie ihre sozial positionen in denen sie sind auch die Privilegien, die damit verbunden sind und weiße frauen Sinne große Wellerinnern schafft das genau diese positionen eben beibehalten werden und da wird Trump bzw.
00:23:32: der republikanischen Partei die beste Möglichkeit zugeschrieben, dass sie das auch gewährleisten können.
00:23:38: Ich glaube es ist ganz wichtig vor diesem Hintergrund, auch wenn die Ziffern dann sozusagen nochmals eine allgemeine Tendenz in Bezug auf Frauen deutlich machen hier darauf hinzuweisen, dass es einen Unterschied zwischen Frauen gibt.
00:23:49: Dass es also einen sehr rasifizierten Unterschied zwischen Freunden gibt.
00:23:53: ich glaube das ist eine Perspektive, die in dem Zusammenhang wichtig ist.
00:23:58: So ein zweiter Punkt, denn ich auch noch als wichtiger Achte hängt so ein bisschen damit zusammen was ich zuvor auch über den autoritären Populismus erzählt habe.
00:24:07: Weil klarerweise ja man hat das bei Trump gesehen schon bei den ersten Wahlen aber auch weil jetzt bei den neueren Wahlen dass Trump mit Missuginen, mit sexistischen Aussagen und so weiter auffällt.
00:24:21: In Umfragen an Frauen, die Trump auch gewählt haben ist dann aber immer wieder eine Meldung gekommen.
00:24:28: Dass sie so meinten okay, misogyne, sexistische Aussagen sind das eine.
00:24:34: Das ist nicht so wichtig wie das was... Trump sonst verkörpert, nämlich eine Form von Authentizität und eine Möglichkeit tatsächlich auch Dinge in die Hand zu nehmen.
00:24:44: Also das quasi wie so güne Aussagen für viele Frauen ohnehin Alltagsgeschäft ist und dass sie das auch gewohnt sind.
00:24:51: aber das andere Aspekte bei Trump war, dass er sozusagen versucht etwas zu ändern, dass die viel entscheidender in so einem Fall sind.
00:24:58: also das sind Aussagen, die dann auch bei Umfragen nochmals deutlich geworden sind.
00:25:02: und insofern denke ich so ein dritter Aspekt Das, was wir zuvor schon aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet haben.
00:25:12: es schafft, sich sozusagen als eine Figur auch zu gerieren.
00:25:17: Als ne Figur darzustellen die die Dinge anpackt, die die Dinge beim Namen nimmt, die denen da oben also ganz populistisch sozusagen auch nochmals zeigt wo's eben nicht lang gehen soll und gleichzeitig vermitteln kann dass er ne Antwort gibt.
00:25:31: Und ich denke das sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen wenns um diese Versprechen geht die Trump auch gut für sich nutzen kann.
00:25:40: Wenn ich da kurz anschließen darf, die Rolle von Frauen in autoritären Bewegungen ist tatsächlich etwas was denn... Neun Faschismus, wie oft bezeichnet wird vom historischen Faschesmus unterscheidet.
00:25:51: Wenn wir uns die Führungsfiguren der zwanziger und dreißiger Jahre anschauen, das waren ausschließlich Männer.
00:25:56: Also Faschsismus war eine männliche Bewegung nicht nur auf der Führungsebene sondern auch auf der Mitglieder-Ebene.
00:26:02: Wir sehen das in den Wahlergebnissen.
00:26:04: In der Zwischenkriegszeite NSDAP hatte einen überproportionalen Männeranteil und einen unterproportunalen Frauenanteil.
00:26:11: Heutzutage ist das anders, also wir sehen an der Spitze rechtspopulistischer Bewegungen häufiger auch Frauen.
00:26:17: Le Pen in Frankreich, Meloni in Italien, Weidel in Deutschland und das zeigt ja wie du auch argumentiert hast dass im Frauen nicht nur Frauen sind sondern sie sind auch Angehörige von Klassen, von Ethnien und insofern muss man diese viel Fall von Faktoren im Blick behalten, wenn man über die Rolle der Geschlechter in solchen Bewegungen diskutiert?
00:26:39: Mit
00:26:39: vielleicht noch das Thema Social Media kommen.
00:26:41: Aus ihren beiden Perspektiven war es für eine Rolle Spielsocial Media bei der Erstärkung von autoritären Tendenzen oder auch bei der Verteidigung dagegen.
00:26:51: Das heißt ist es eher aus ihrer Sicht vorrangig ein Tool oder eine Spielwiese für Desinformationen, Fake News Vielleicht auch der absichtlichen Verstärkung solcher Tendenzen durch autoritäre Regime weltweit.
00:27:05: Oder könnte Social Media auch in irgendeiner Weise demokratisierend oder demokratisch stärkend wirken?
00:27:13: Ich meine, grundsätzlich ist Social Media ein Medium, das genutzt werden kann und grundsätzlich ist dieses Medium sowie andere Medien dafür da sowohl in die eine Richtung als auch in die andere Richtung benutzt zu werden.
00:27:25: So in der Forschung ist immer auch diese Ambivalenz betont worden, also dass es sowohl möglich ist demokratisierende emanzipatorische Politik zu machen als auch repressive politikrechte Politik.
00:27:38: Vor einigen Jahren und ich denke jetzt gerade an den sogenannten Arabischen Frühling, da war Social Media ein ganz wichtiges Medium um tatsächlich auch zu einer Demokratisierung beizutragen.
00:27:48: Da ist Twitter und Facebook explizit dafür benutzt worden um eben im Rahmen dieser sozialen Bewegungen sich zu vernetzen usw.
00:27:56: Ich glaube so diese demokratisierende Wirkung bzw.
00:27:59: die demokratisierten Möglichkeiten von Social Media sehen wir auch wenn es darum geht in unterschiedlichen Ländern immer wieder das Internet abzudrehen oder bestimmte Kanäle bestimmte Messenger-Dienste irgendwie zu verunmöglichen.
00:28:10: Also ich glaube, da sieht man auch welche Wirkung Social Media haben kann.
00:28:14: Tatsächlich ist es aber so dass in der Forschung in den letzten Jahren viel stärker auf die radikalisierenden Dimensionen von Social Media eingegangen ist also wir die Bedeutung sehen diesen Zusammenhang haben welche Hassreden, welche Hasspolitik über Social Media verbreitet wird.
00:28:30: Du hast es auch schon angesprochen wie quasi auch Social Media dazu beitragen kann zu einer Normalisierung von rechten Positionen zu führen.
00:28:39: und ich denke was bei Social Media wahrscheinlich wichtig ist tatsächlich nochmals die Form von Social Media selbst zu berücksichtigen das ist eine Veränderung von Kommunikationsformen mit hervorbringt.
00:28:54: Was sind da so Beispiele?
00:28:56: Also, ich denke auch was in der Forschung immer wieder betont wird ist dass es ja nicht darum geht einen Austauschen, nicht nur einen großen Austausch im Sinne von viel Kommunikation.
00:29:07: Viel Wissen und so weiter zu fördern sondern dass viele in ganz bestimmten sozialen Medien hängen bleiben die sehr abgegrenzt sind, die sehr homogen sind.
00:29:17: das heißt der Menschen bewegen sich in bestimmten Sozialen, in bestimmter argumentativen Bubbles.
00:29:22: da geht es dann gar nicht mehr so darum wie beispielsweise im arabischen Frühling zu sagen okay wir tauschen uns jetzt aus Wir teilen Wissen.
00:29:30: Sondern Es Geht viel stärker Darum dass Social Media ein Verstärkungsinstrument sein kann, um bestimmte Auffassungen und um bestimmten Einschätzungen und Meinungen nochmals deutlich zu machen.
00:29:41: Und ich glaube da ist tatsächlich auch nochmal etwas was in der Funktion der sozialen Medien berücksichtigt werden muss wie sich Kommunikation verändert weil wir kennen das alle wenn ja in unterschiedlichen Kontexten mit irgendwie Daumen rauf oder Daumen runter, oder irgendwelche Likes nochmals umgehen.
00:30:01: Gerade an diesen Momenten wird sichtbar das Social Media Form der Kommunikation befördert die nicht so sehr im Dialog geht und nicht als Beziehungsmoment dargestellt wird sondern viel stärker darauf ausgerichtet ist eben zuzustimmen oder eben nicht zuzustimmend zu liken.
00:30:22: Es geht viel um Präsentation und Repräsentation, das heißt wir verschicken unsere Bilder möglicherweise.
00:30:28: Wir stellen unsere beruflichen und privaten Erfolge auch im Internet dar die dann eben auch geleichter mit irgendwelchen Emojis versehen werden können.
00:30:37: aber ich denke was das soziale Medienheben hier auch in sich bergen ohne es ausschließlich zu machen ist eine Form der Kommunikation, die nicht so stark auf Austausch, auf Gespräch, auf Beziehungen ausgerichtet ist.
00:30:51: Sondern viel stärker eben auch ganz kurze Reaktionsweisen.
00:30:56: und meine Vermutung wäre das Genau, Social Media kann in unterschiedliche Richtungen genutzt werden.
00:31:02: Es ist mir wichtig an der Stelle das auch nochmals zu betonen.
00:31:05: aber ich habe durchaus den Eindruck dass diese Veränderung die Social Media auch in unser alltäglichen Kommunikationsformen mit hervorbringt eben nicht mehr in Beziehung zu treten.
00:31:16: Das ist tatsächlich auch... die Möglichkeiten, dass das uns verändert.
00:31:20: Wie wir eigentlich miteinander kommunizieren.
00:31:22: und das wiederum spielt wirklich vereinfachten Gegenüberstellungen, vereinfachten Freund-feind Verständnissen, die stark auf Konfrontation ausgerichtet sind explizit auch in die Hände.
00:31:33: Aus historischer Sicht würde ich betonen wollen, dass Medien insgesamt oder Massenmedien insgesamt für die Mobilisierung antidemokratische Bewegung auch in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt haben.
00:31:44: also wenn die faschistischen Bewegungen der Zwischenkriegszeit anschauen, da waren zum Beispiel Zeitungen ein ganz wichtiges Medium.
00:31:51: Und es gab heute eigentlich unvorstellbar damals in den zwanzigertreißiger Jahren in Österreich eine unglaubliche Tichte an Printmedien also nicht nur auf nationaler Ebene sondern auch regionaler Ebène.
00:32:03: fast in jedem Bezirk gab's Tages- oder Wochenzeitungen unterschiedlicher parteipolitischer Ausrichtung.
00:32:10: Da gab es ein gristlich soziales Blatt, da gibt es ein sozialdemokratisches Blatt und ein großdeutsches und später auch ein nationalsozialistisches Blat.
00:32:18: Das waren sozusagen die Echokammern des analogen Zeitalters also sozusagen die Anhänger der jeweiligen Partei hatten ihr Parteiblatt und wurden daraus auch politisch mobilisiert.
00:32:30: Im Nationalsozialismus kam dann hin zu das Radio der Volksempfänger, also ein gerichtetes Medium.
00:32:35: Das von einer zentrale Außer-Botschaften an die Volksgemeinschaft senken konnte und auch schon das Kino.
00:32:42: Hinsichtlich des sozialen Medien würde ich dir zustimmen.
00:32:45: Die sind zunächst einmal offen für jegliche Inhalte.
00:32:48: Man kann soziale Medien für demokratisch stärkende Initiativen genauso nutzen wie für demokratiegefährdende Initietiven.
00:32:57: Dass es in der Praxis vor allem von rechtspopulistischen Bewegungen genutzt wird, hängt wohl auch damit zusammen dass rechtspopülistische Parteien die ersten waren.
00:33:09: Die diese Medien aktiv genutze haben.
00:33:10: also man sieht das in Österreich die FPÖ war die erste die Social Media massiv genutzt hat und auch eigene Medienkanäle, FPÖ TV zum Beispiel aufgebaut hat.
00:33:20: Und man auf diese Weise absetzt das sogenannten Systemmedien von denen sie sich benachteiligt fühlten, eigene Medien Kanäle zu haben.
00:33:29: Dazu kommt da noch – und du hast darauf hingewiesen – dass dieses Social Media eine eigene Logik haben.
00:33:34: Sie funktionieren wie Echo-Kammern.
00:33:36: Das heißt die eigene Ansicht wird verstärkt!
00:33:40: in der Interaktion.
00:33:42: Sie tendieren zu Blasenbildung, also man schottet sich sozusagen ab von anders denken und bestätigt sich gegenseitig.
00:33:49: Und es geht eher um Emotionalisierung als um das rationale Argument.
00:33:54: Also diese Medienlogik ist etwas, dass sich natürlich hervorragend eignet für rechtspopulistische Bewegungen.
00:34:04: Ein dritter Aspekt ist dann auch noch die Eigentümerstruktur.
00:34:08: Beim ehemaligen Twitter, also beim jetzigen Ex mit der Eigentümerschaft von Elon Musk konnte man beobachten dass Demokratiefeindliche Postings in diesem Medium nicht nur toleriert wurden sondern sogar verstärkt wurden.
00:34:24: Also all das führt eigentlich dazu dass Social Media auf der rechten Seite des politischen Mitte eine stärkere Rolle spielen als auf der linken
00:34:33: Und dazu kommt bei Social Media ja anscheinend noch ein gewisses Suchtpotenzial.
00:34:37: Vielleicht das letzte Frage, was sind aus Ihrer jeweiligen Sicht wirksame Mittel um gegen entsprechende Autorität in Dänzen zu wirken und Demokratie zu stärken?
00:34:46: Was kann oder muss eigentlich auch die Rolle von Universitäten dabei sein?
00:34:51: Ich würde gerne mit den Universitäten beginnen und ich denke es gibt hier zumindest zwei Aspekte, die ich gerne stark machen würde weil ich denke Universitäten sind sowohl eine Möglichkeit auf das Wie als auch auf das Was zu blicken.
00:35:04: Auf das Wie bedeutet, Universitäten sind bei allen Ausschlüssen die immer noch vorhanden sind es gibt ganz viele die eben nicht studieren können denen auch nicht nahegelegt wird zu studieren.
00:35:15: also da gibt's immer auch noch ganz starke Exklusionsmechanismen.
00:35:19: aber trotz all dieser Exklusionen die es noch immer gibt auf Universitäten, sind Universitätenräume auch der Demokratisierung des aufeinandertreffens des gemeinsamen Lernens und ich Egal welche Studienrichtung das auch.
00:35:31: nochmals ist, da gibt es die Möglichkeit ganz häufig auch ganz analog mit.
00:35:37: bestimmten Medien auch, aber tatsächlich auch in Analogen-Seminarräumen zu diskutieren.
00:35:44: Sich Wissen anzueigen, kollektives Wissenanzueignen, Wissen infrage zu stellen und zu fragen was dieses Wissen macht also gerade dieses Wiederuniversitäten dass es eben so ein Begegnungsraum einen ganz konkreten Begegenungsraum gibt das ist ganz zentral.
00:35:58: und dann klarerweise geht's nicht nur um das wie sondern es geht auch um das was wir wissen das ja auch.
00:36:05: Es gibt die demokratisierende Rolle auch der Universitäten.
00:36:09: Universitäten waren immer auch ein Kampf, es ging darum Zugang zu Universitäten zu ermöglichen unter anderem von Frauen aber nicht nur... Also die Universitäten sind ja häufig sehr alt, aber für viele Frauen sind die Universität noch gar nicht so alt weil sie diesen Zugang überhaupt zu ermüglichen.
00:36:26: das war eine Ausdrücke von Kämpfen Und das ist, glaube ich, eine Rolle die auch weiterhin ganz wichtig ist.
00:36:32: Sozusagen hier sozusagen mehr zu machen.
00:36:34: aber klarerweise gibt es dann auch so was wie die Disziplin in der Ich Bin, die Sozialwissenschaften nicht nur die Sozial- wissenschaftende Geschichtswissenschaft auch Aber viele andere auch, aber in den Sozial Wissenschaften wird klarerweise auch nochmals ganz viel über Gesellschaften selbst gelernt.
00:36:50: Das werden sehr viele Inhalte vermittelt.
00:36:52: Studierende bekommen Inhalter lernen etwas über gegenwärtige Gesellschaften sie lernen Sie lernen etwas über frühere Gesellschaften, sie lernen etwas hier aber auch in anderen Kontexten.
00:37:04: Sie lernen darüber, wie unterschiedliche Gesellschaften tatsächlich miteinander verwoben sind, wenn sie vielleicht ganz viele Tausende Kilometer weit entfernt sind.
00:37:14: und sie lernen auch über diese Themen, über die wir heute gesprochen haben, was Autoritarisierung mit Rassismus, mit Sexismus oder mit Klassenverhältnissen zu tun hat.
00:37:27: Ich glaube, die Sozialwissenschaften bieten ein sehr gutes Instrument.
00:37:33: Ein kritisches Instrument darum sich mit Gesellschaft auseinanderzusetzen und das sozusagen auch gemeinsam zu tun.
00:37:39: Also ich glaube was Universitäten oder was für mich an Universitäten immer auch ganz wichtig ist so sagen wir Ereignen uns Wissen gemeinsam an in den Seminaren.
00:37:50: Es geht nicht darum zu sagen, okay hier wird die Weisheit von der Kanzlerin gepredigt sondern es geht darum wir beschäftigen uns mit Forschungen werfen einen Blick auf die Forschung und wissen ist immer auch im Bewegung.
00:38:01: also es wird immer wieder viele sind zugelernt vielleicht auch das was vor zehn Jahren doch als selbstverständlich gegolten hat wird durch neue Forschung kann infrage gestellt werden oder auch nicht.
00:38:12: gleichzeitig gibt's auch Ansätze die aus der Vergangenheit uns auch helfen können, etwas zu verstehen.
00:38:17: Also ich glaube das ist so ein zentraler Ort auch warum Universitäten wichtig sind um zur Demokratisierung beizutragen weil es eben möglich ist sowohl inhaltlich zu lernen als auch im Austausch einer gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit Wissen aber auch von ganz vielen die an diesen Universitäten tätig sind mit denen wir immer wieder zu tun haben dieses Wissen voran zu treiben und darüber eben nicht nur zu verstehen wie Macht- und Herrschaftsdynamiken in der Gegenwart funktionieren, sondern wie möglicherweise auch emanzitatorische Bewegungen aussehen könnte.
00:38:54: Und was dafür zentral ist?
00:38:56: Und ich denke gerade diese Rolle oder das war immer etwas, was auch an den Universitäten, an den Hochschulen stark gemacht wurde, da würde ich auch in Zukunft ein ganz wichtiges Potenzial bei Universitäten sehen ohne dass Universitäten als die einzigen Orte begriffen werden sollten, an denen es möglich ist.
00:39:14: Ich kann mich als Historiker da sehr gut wiederfinden, zumal ich meine Disziplin ja auch als eine historische Sozialwissenschaft verstehe.
00:39:22: Allerdings möchte ich hinzufügen dass diese Funktionsweise von Wissenschaften die du jetzt zutreffend beschrieben hast also das es kein fixes Wissen gibt sondern das Wissen ständig hinterfragt wird manchmal auch korrigiert und revidiert wird, dass es auch etwas ist was wir in der Öffentlichkeit vermitteln sollten stärker, vielleicht als bisher um auch ein realitätsgerechtes Bild von Wissenschaftler zu vermitteln.
00:39:45: Weil der Öffentlichkeit oft irgendwie so das Bild vorherrscht drei Wissenschaftler, drei Meinungen.
00:39:51: was soll man jetzt glauben?
00:39:52: Aber genau darum geht es nach.
00:39:53: Wissenschaft ist Diskurs und ständiges Arbeiten an der evidenzbasierten Vernunft.
00:39:59: Das ist letztendlich glaube ich das Ziel dass die Wissenschaft im allgemeinen und die Universitäten in besonderer Hand.
00:40:05: Sie sind Anwälte der evidenzbasierten Vernunft, wobei sie nie vollkommen zu gewinnen ist, sondern man sich ständig abarbeiten muss daran.
00:40:15: Ich sehe die Rolle der Universität in zweifacher Hinsicht einerseits in einer dekonstruktiven Rolle und andererseits in eine rekonstruktive Rolle.
00:40:25: Die Universitäten können einen wichtigen Beitrag leisten wenn es um Diskussionen über Ideologie und Mythen basierte Ansichten geht die sogenannten Verschwörungstheorien, das ist zum Beispiel oft.
00:40:39: von der fatalen Rolle des Finanzjudentums die Rede, dass da irgendwo in den dunklen Kammern an irgendwelchen Schalthebeln Migrationsströme steuert.
00:40:51: Also solche Ansichten kann man gerade aus einer historischen Perspektive sehr schön dekonstruieren und allein darin sehe ich eine Aufgabe von universitärer Wissenschaft aber auch eine rekonstruktive Rolle in der Weise das wir sozusagen Gegenerzählungen Das ist all das, was du vorhin beschrieben hast.
00:41:11: Also wie Gesellschaft funktioniert?
00:41:13: Wie die einzelnen Teile interagieren?
00:41:16: verhandelt wird, wie emanzipatorische Bewegungen entstehen und wie das alles miteinander zusammenhängt.
00:41:23: Also da glaube ich haben wir große Aufgabe die wir aber nicht nur in der Universität betreiben sollten in unserer Forschung und Lehre sondern auch nach außen vermitteln sollten.
00:41:34: ja deswegen gehen wir auch im Volkshochschulen deswegen machen wir TV und Radio Interviews deswegen publizieren wir gelegentlich Gastkommentare in Tageszeitungen.
00:41:45: Besonders hier an der JKU sehe ich gerade im Fachgeschichte eine schöne Einflussmöglichkeit in diese Richtung, im Bereich des Lehramtsstudiums.
00:41:57: Also wir bilden hier Lehrerinnen und Lehrer im Fach Geschichte und politische Bildung aus Und das ist glaube ich ein starker Hebel, um demokratisches Bewusstsein zu stärken.
00:42:07: Wenn es gelingt sozusagen diese Studierenden die dann als Multiplikatoren in den Schulen wirken entsprechend auch auszurüsten und kompetent zu machen für einen Unterricht der Demokratie stärkend ist.
00:42:23: Da haben wir auch eine wichtige Aufgabe hier
00:42:25: Darf mich für diese fast perfekte Gelegenheit seinem Schlusswort bedanken, denn eine der Methoden die wir auch verwenden um inzwischen Wissenschaftskommunikation zu betreiben und sozusagen in die Gesellschaft hineinzuwirken ist genau dieser Podcast den wir hier auch dafür etabliert haben.
00:42:39: Und ich darf mich bei Ihnen beide nochmal ganz ganz herzlich bedanken für die Zeit wie wir es hier sind und die Einblicke.
00:42:43: Ich glaube, wir haben einiges mitgenommen, einiges was für Übermuster, Souveränität aber auch die positive Erzählung glaub ich ist auch ganz wichtig zur Demokratie mitnehmen können.
00:42:53: Ich darf mich noch mal ganz herzlich bei den beiden bedanken für ihre Arbeit und für hier sein und ich darf mich bei Ihnen liebe Zuhörerinnen und Zuhöre ganz herzlich bedanken.
00:43:00: viel Interesse und viel dabei sein und freue mich schon sehr auf die nächste Episode.
00:43:05: Vielen herzlichen Dank!
00:43:06: Danke für die
00:43:07: Einladung!
00:43:08: Danke fürs
00:43:24: dabei sein können, danke!
00:43:27: We put it.
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